Im Bauernhausmuseum Bielefeld  vom 5. Februar bis 19. März 2023

Eine Wanderausstellung des LWL-Museumsamtes für Westfalen

Durch das Ablegen von Heiligenbildchen auf dem verstorbenen Kind bringen die umstehenden Kinder ihre Trauer zum Ausdruck, Raesfeld 1937. Foto: Ignaz Böckenhoff © LWL-Medienzentrum für Westfalen

Gestorben wird immer. Tod und Sterben gehören zum Leben dazu und sind Teil unserer Kultur. Bis vor Kurzem unterlagen Friedhöfe und Grabmäler starken Regulierungen und auch der Tod hat ein exaktes Maß. Wir Deutschen können nichts dem Zufall überlassen. Wir planen auch unseren eigenen Tod vorab meist bis ins Detail und treiben Vorsorge, auch das Sterben wird immer mehr kontrolliert. Die Ausstellung umreißt hier folgende Themen: Lebensversicherungen, Bestattungsvorsorge, letzte Verfügungen im Todesfall, Testamente, Organspendenausweise, Patientenverfügungen, Tod in Würde, Recht auf Sterben.
Weiterhin wollen wir dem nachgehen, wo gestorben wurde und wird: Wurde früher meist zuhause gestorben, gibt es mittlerweile in den Krankenhäusern immer mehr Palliativstationen für Todkranke und auch das Sterben in einem Hospiz mit meist ehrenamtlicher Sterbebegleitung erfreut sich sowohl bei den Sterbenden als auch deren Angehörigen großer Beliebtheit. Der sterbende Mensch und sein Sterbeprozess rücken immer mehr in den Mittelpunkt. Das war auch schon vor Corona so. Krankheit schafft ein größeres Bewusstsein für Tod und Bestattung. Hieran haben u.a. auch die Hospizbewegung sowie die AIDS-Selbsthilfegruppen einen Anteil.

Die Ausstellung möchte auch verschiedene, ausgewählte Berufe vorstellen, die von der Menschen Tod leben, wie zum Beispiel die Bestatter, den Steinbildhauer, den Sargausstatter, den Totengräber, den Friedhofsgärtner und viele andere mehr.

Friedhof mit aufwendigen Grabstätten in unmittelbarer Nähe zur Kirche St. Pankratius in Dülmen-Buldern, um 1920. Foto: Julius Gärtner © LWL-Medienzentrum für Westfalen

Ein weiteres Kapitel beschäftigt sich mit dem Gedenken an die Toten und der Veränderung der Friedhofskultur. Die Bestattungsgewohnheiten haben sich mit dem Bedeutungsverlust der bürgerlichen Familie, der Zunahme von Single- und Zwei-Personen-Haushalten und der zunehmenden beruflichen Mobilität geändert. Die Bestattungs- und Friedhofskultur befindet sich Anfang des 21. Jahrhunderts in einem grundlegenden Umbruch. Dem wollen wir nachgehen. Das Erscheinungsbild der Friedhöfe verändert sich zusehends. Die traditionellen Grabsteinlandschaften werden mehr und mehr von großen Rasenflächen geprägt. Der klassische Friedhof verliert insgesamt an Bedeutung. An seine Stelle treten zunehmend Bestattungsplätze in der freien Natur, in den sogenannten Friedwäldern.

Seit den 1990er Jahren ist mit den virtuellen Memorial Websites eine ganz andere Art von Totengedenken in Erscheinung getreten. Sie sind mit einer Individualisierung und Privatisierung von Trauerbekundungen und der Abkehr vom Friedhof als traditionellem Ort der Trauer verbunden.