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Infos

    Öffnungszeiten:

    Dienstag - Freitag
    10.00 - 18.00 Uhr

    Wochenende + Feiertage
    11.00 - 18.00 Uhr
    Café ab 10.00 Uhr

    Geöffnet von Februar bis
    23. Dezember


    Adresse:

    Bielefelder Bauernhausmuseum
    gGmbH
    Dornberger Straße 82
    33619 Bielefeld

    Fon: 0521 / 5218550
    Fax: 0521 / 5218552
    E-Mail: schreiben

    Café: 0521 / 5218551


    Eintrittspreise:

    Erwachsene 4,00 €
    Ermäßigt 2,00 €
    Familienkarte 8,00 €
    Jahreskarte 20,00 €
    Familienjahreskarte 35,00 €

    Freier Eintritt für InhaberInnen
    des Bielefeld-Passes
    (außer Sonderveranstaltungen)


    Der Zugang zum Café ist kostenlos

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Aktuelle Ausstellungen

Vom Streben nach Glück

200 Jahre Auswanderung aus Westfalen nach Amerika

Eine Ausstellung des LWL-Industriemuseums - Ziegeleimuseum Lage

Im Bauernhausmuseum vom 14. April bis 6. Oktober 2019


Frau traurig am MeerWohlstand, Freiheit, Abenteuer – das waren die Hoffnungen, die über 300.000 Menschen aus Westfalen im 19. und 20. Jahrhundert dazu bewegten, in den USA ein neues Leben zu beginnen.

Die Ausstellung „Vom Streben nach Glück“ veranschaulicht die Geschichte dieser Auswanderungsbewegung, beleuchtet die Ursachen, zeichnet Reisewege nach und schildert Biografien westfälischer Emigranten. Neben Fotos und Postkarten ist ein Schiffsmodell zu sehen.

Auswanderungsursachen

Nicht nur wirtschaftliche Not, die vor allem in den ländlich geprägten Regionen Westfalens der Hauptgrund für die Auswanderung war, trieb die Menschen in die Ferne. Auch politische Unzufriedenheit bewegte die Menschen dazu, ihre deutsche Heimat zu verlassen. Prominenteste Gruppe dieser politischen Auswanderer waren die Anhänger der revolutionären Bewegung um das Jahr 1848.

Agenten vermittelten den Ausreisewilligen die Schiffsfahrkarten für die Überfahrt in die USA. Die Reise begann meist in den beiden großen deutschen Auswandererhäfen in Bremerhaven und Hamburg. Schiffsmodelle sowie Postkarten und Werbeplakate der Reedereien zeigen anschaulich, wie diese Schiffe aussahen. Eine nicht geringe Zahl, besonders männliche Auswanderer, traten eine regelrechte Flucht an, um sich dem Militärdienst zu entziehen.

Deutsche in der Neuen Welt
Zu Beginn des Ersten Weltkriegs hatten über acht Millionen Menschen in Nordamerika deutsche Vorfahren. Sie lebten als Farmer in den nördlichen Staaten des Mittleren Westens, waren aktiv in der Kultur, in der Politik und im Wirtschaftleben der Vereinigten Staaten. Vor allem der Bundestaat Indiana mit seiner Hauptstadt Indianapolis wurde zu einem Zentrum deutschen Wirkens. In Fort Wayne brauten und vertrieben die Dortmunder Berghoff-Brüder „Dortmunder Beer“. Clemens Vonnegut aus Münster brachte es mit einem Haushalts- und Eisenwarenhandel in kurzer Zeit zu Reichtum. Und William Edward Boeing, Sohn eines Einwanderers aus dem heutigen Hagen, gelang es gar, einen Weltkonzern aufzubauen.

Neben Knowhow brachten die Deutschen auch das Vereinswesen mit in die neue Heimat: In den meisten Städten des Mittleren Westens gab es Männerchöre und Turnvereine, auch Karneval wurde gefeiert. Die alteingesessenen Amerikaner konnten mit dieser Art der Freizeitbeschäftigung nichts anfangen. Die Deutschen blieben lange unter sich. Erst in den 1920ern wurden zum Beispiel die Turnvereine für alle Amerikaner populär.

Mit dem Eintritt der USA in den Ersten Weltkrieg veränderte sich das Verhältnis zwischen Amerikanern und Deutschen. Viele Familiennamen wurden amerikanisiert, deutsche Zeitungen, Reklametafeln und Bräuche verschwanden aus der Öffentlichkeit. Ein eigenes Kapitel widmet die Ausstellung dem Thema Vertreibung und Verfolgung nach 1933. So wanderten mehr als 120.000 deutsche Juden und Intellektuelle nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten nach Amerika aus.

Kooperationspartner der Ausstellung ist die Arbeitsstelle für Deutsch-Amerikanische Bildungsgeschichte der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster.

Begleitbuch
Vom Streben nach Glück. 200 Jahre Auswanderung aus Westfalen nach Amerika. (Hg.) LWL-Industriemuseum, Westfälisches Landesmuseum für Industriekultur, Willi Kulke. 164 Seiten, Essen 2016, ISBN 978-3-8375-1616-6, Preis: 14,95 Euro.

Begleitveranstaltungen
Das BauernhausMuseum bietet im Rahmen seines Halbjahresprogramms Begleitveranstaltungen an.



 

 

 

Arme Leute? Heuerlingswesen, Leinengewerbe und Wanderarbeit im 19. und 20. Jahrhundert

Im BauernhausMuseum vom 10. Juni 2018 bis 22. Dezember 2019


„Wirft man die Blicke in die Heuerlingswohnungen, so siehet man gleichsam geräucherte, schwarze und niedrige, ungesunde Locale, in welchen man abgezehrte, bleiche Gesichter halb satter und halb verhungerter um die allernothwendigsten Bedürfnisse kämpfender Mitmenschen vorfindet.“ – So heißt es in einer Beschreibung von 1847 aus Jöllenbeck (Bielefeld). Ähnliche Schilderungen über dürftigste Lebensbedingungen sind aus dem 18. und 19. Jahrhundert vielfach überliefert. 

Der Raum Bielefeld gehörte seit dem späten 18. Jahrhundert zu den am dichtesten besiedelten Gebieten Westfalens. Die gleichzeitig besonders hohe Zahl armer Familien bedeutete, dass auf den Bauernhöfen, die ihren Lebensunterhalt durch die Herstellung von Agrarprodukten bestritten (und meist davon sehr gut leben konnten), eine große Zahl von Miets- bzw. Heuerlingshäusern entstand. Hierin wohnte die besitzlose Bevölkerung als Mieter, die je nach individueller Vereinbarung ihre Miete, die "Heuer", durch Arbeitsleistung beim Bauern oder durch Geldzahlung erbrachte. Diese Menschen fanden ihr Auskommen weniger in der Landwirtschaft, sondern vielmehr im der Herstellung von Textilien aus Leinen, dem „Leinengewerbe“. Aus vor Ort angebautem Flachs produzierten sie gröberes und feineres Leinen –  besonders in Heepen, Jöllenbeck und Schildesche. Fast alle dieser Leinenproduzenten waren Heuerlinge. Ihre Textilerzeugnisse wurden in weite Teile Europas und darüber hinaus exportiert. Für die damalige Zeit waren viele dieser ärmeren Menschen sehr mobil. Sie verdingten sich als Wanderarbeiter, zunächst nicht selten in Holland, später beim Bergbau im Ruhrgebiet. Besonders in den Jahrzehnten nach der aus ihrer Sicht gescheiterten „Revolution“ von 1848 wanderten viele nach Amerika aus. 

Bewohner von Olderdissens Kotten um 1900Die Entwicklung des Heuerlingswesens um 1800 hatte eine wichtige Voraussetzung: die Markenteilungen. Dabei handelte es sich um eine Landreform, die seit 1769/71 die wohlhabenden Bauern noch wohlhabender machte und den Bau einer hohen Zahl von Heuerlingshäusern erst ermöglichte. Auf großen Höfen entstanden nicht selten fünf oder mehr Heuerlingshäuser.

Ein Beispiel hierfür ist der Hof Meier zu Olderdissen, zu dem unter anderem „Olderdissens Kotten“ gehörte, der heute Bestandteil des BauernhausMuseums ist. Hier findet diese Ausstellung statt. Nicht nur die Erwerbszweige und die soziale Situation der Heuerleute werden vorgestellt, sondern auch die Wohn- und Lebensverhältnisse an einem historischen Schauplatz.

Bildnachweis Bild 1: Stadtarchiv Bielefeld.
 
 

 

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