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Ausstellungs-Vorschau

 

Arme Leute? Heuerlingswesen, Leinengewerbe und Wanderarbeit im 19. und 20. Jahrhundert

Im BauernhausMuseum vom 10. Juni bis 22. Dezember 2018

Eröffnung zusammen mit Olderdissens Kotten: Sonntag, 10. Juni, 11.30 Uhr

„Wirft man die Blicke in die Heuerlingswohnungen, so siehet man gleichsam geräucherte, schwarze und niedrige, ungesunde Locale, in welchen man abgezehrte, bleiche Gesichter halb satter und halb verhungerter um die allernothwendigsten Bedürfnisse kämpfender Mitmenschen vorfindet.“ – So heißt es in einer Beschreibung von 1847 aus Jöllenbeck (Bielefeld). Ähnliche Schilderungen über dürftigste Lebensbedingungen sind aus dem 18. und 19. Jahrhundert vielfach überliefert. 

Der Raum Bielefeld gehörte seit dem späten 18. Jahrhundert zu den am dichtesten besiedelten Gebieten Westfalens. Die gleichzeitig besonders hohe Zahl armer Familien bedeutete, dass auf den Bauernhöfen, die ihren Lebensunterhalt durch die Herstellung von Agrarprodukten bestritten (und meist davon sehr gut leben konnten), eine große Zahl von Miets- bzw. Heuerlingshäusern entstand. Hierin wohnte die besitzlose Bevölkerung als Mieter, die je nach individueller Vereinbarung ihre Miete, die "Heuer", durch Arbeitsleistung beim Bauern oder durch Geldzahlung erbrachte. Diese Menschen fanden ihr Auskommen weniger in der Landwirtschaft, sondern vielmehr im der Herstellung von Textilien aus Leinen, dem „Leinengewerbe“. Aus vor Ort angebautem Flachs produzierten sie gröberes und feineres Leinen –  besonders in Heepen, Jöllenbeck und Schildesche. Fast alle dieser Leinenproduzenten waren Heuerlinge. Ihre Textilerzeugnisse wurden in weite Teile Europas und darüber hinaus exportiert. Für die damalige Zeit waren viele dieser ärmeren Menschen sehr mobil. Sie verdingten sich als Wanderarbeiter, zunächst nicht selten in Holland, später beim Bergbau im Ruhrgebiet. Besonders in den Jahrzehnten nach der aus ihrer Sicht gescheiterten „Revolution“ von 1848 wanderten viele nach Amerika aus. 

Bewohner von Olderdissens Kotten um 1900Die Entwicklung des Heuerlingswesens um 1800 hatte eine wichtige Voraussetzung: die Markenteilungen. Dabei handelte es sich um eine Landreform, die seit 1769/71 die wohlhabenden Bauern noch wohlhabender machte und den Bau einer hohen Zahl von Heuerlingshäusern erst ermöglichte. Auf großen Höfen entstanden nicht selten fünf oder mehr Heuerlingshäuser.

Ein Beispiel hierfür ist der Hof Meier zu Olderdissen, zu dem unter anderem „Olderdissens Kotten“ gehörte, der heute Bestandteil des BauernhausMuseums ist. Hier findet diese Ausstellung statt. Nicht nur die Erwerbszweige und die soziale Situation der Heuerleute werden vorgestellt, sondern auch die Wohn- und Lebensverhältnisse an einem historischen Schauplatz.

Bildnachweis Bild 1: Stadtarchiv Bielefeld.
 
 

 

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